Nachtrag zur FBR-Sitzung vom 14.07.2010

Unseren kurzen, in der Eile des Prüfungsstresses verfassten Bericht zur letzten Sitzung des Fachbereichsrats Wirtschaftswissenschaft vom 14.07.2010 aufgreifend, wollen wir die Resultate der Sitzung nun wie versprochen aus studentischer Sicht beurteilen und Euch ein paar weitere Informationen diesbezüglich geben.

Zunächst einmal stellt die Wahl des neuen Dekanats einen aus unserer Sicht begrüßenswerten und perspektivisch sinnvollen Schritt dar. Mit der Wahl von Prof. Dr. Schöb zum neuen Dekan entsprach der FBR der im Vorfeld von uns gestellten Forderung, nach drei Legislaturperioden mit einem BWL-Professor als Dekan, wieder einen VWL-Professor in das höchste Amt des Fachbereichs zu wählen. Dies macht vor allem vor dem Hintergrund der durchaus schwierigen Situation der VWL an unserem Fachbereich Sinn und setzt ein in unseren Augen wichtiges Signal für die Zukunft. Auch Prof. Dr. Hundsdoerfer, welcher in seiner Funktion als Vorsitzender des Prüfungsbüros bisher sehr engagiert gearbeitet hat und nun zum Studiendekan gewählt worden ist, stellt sicherlich eine perspektivisch sinnvolle Wahl dar. Auch wenn wir in der Vergangenheit im Zuge von mittlerweile beigelegten Konflikten mit dem Prüfungsbüro oftmals anderer Meinung waren, gab sich Prof. Dr. Hundsdoerfer zuletzt viel Mühe, die Studierenden in Planungen miteinzubeziehen bzw. frühzeitig darüber zu informieren und Anregungen aufzunehmen. Als Forschungsdekan wurde Prof. Dr. Sydow gewählt, welcher bereits vor einer Legislaturperiode Dekan unseres Fachbereichs war und diese Aufgabe ebenfalls sehr engagiert wahrgenommen hat.

Dennoch ist die Wahl des neuen Dekanats aus verschiedenen Gründen nicht zu positiv zu bewerten. Zum einen klaffen konstant riesige Unterschiede im Verständnis von Studienstruktur und Studienorganisation zwischen den Vertreter_innen der fsi wiwiss und annähernd dem gesamten FBR, zum anderen wurden mit der geäußerten Absicht des neu gewählten Dekanats, das Amt des Dekans perspektivisch erst an Prof. Dr. Hundsdoerfer und schließlich an Prof. Dr. Ruhnke zu übergeben, auch bedenkliche Signale für die Zukunft gesetzt. Ungeachtet der Tatsache, dass Prof. Dr. Ruhnke ein ausgezeichneter und renommierter Professor ist, steht dieser in unseren Augen für eine weitaus stärkere elitäre Ausrichtung des Fachbereichs. Dies läuft dem Grundgedanken eines freien, selbstbestimmten Studiums in vielen Punkten eklatant entgegen. Folgerichtig enthielten wir uns bei der Wahl des neuen Dekanats, welches seine Kandidatur ausdrücklich mit dem vorgestellten Nachfolgekonzept verknüpfte.

Auch die Tatsache, dass wir uns in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart oftmals vom Fachbereich regelrecht verschaukelt fühlen, bewog uns zu dieser Entscheidung. Zum einen was die unendlichen, scheinbar „ergebnissoffenen“ Gespräche bezüglich unseres nun doch geschlossenen und in die Boltzmannstraße 20 verlagerten Büros angeht, zum anderen was die absolute Stagnation bezüglich unserer dringend reformbedürftigen Bachelor-Studiengänge betrifft. Aus diesen und vielen weiteren ähnlich gelagerten Gründen heraus sahen wir uns nicht in der Lage die Wahl irgendeines Dekanats mit unserer Stimme mitzutragen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die Richtigkeit dieser Entscheidung dann auch bestätigt. Nachdem einige FBR-Mitglieder die Bemühungen einer anwesenden Studierenden und der fsi wiwiss, den Kurs Wirtschaftsfranzösisch vor dem Aus zu bewahren, lediglich mit einem entnervten Schmunzeln, aber mit keinerlei Entgegenkommen bedachten, war die Stimmung bereits angespannt. Zu diesem Punkt ist allerdings hinzuzufügen, dass der Fachbereich mit der Abschaffung des Kurses lediglich völlig realitätsfremden Vorgaben von Präsidium und Senat entspricht. Der Kurs hätte aufgrund seiner geringen Auslastung somit negative finanzielle Implikationen für den Fachbereich aus der sogenannten Kapazitätsberechnung gehabt, obwohl der Dozent bereit gewesen ist, ihn kostenfrei weiter anzubieten. Auf unser Drängen hin wird der FBR auf seiner kommenden Sitzung eine entsprechende Stellungnahme gegenüber Präsidium, Senatsverwaltung und Kultusministerkonferenz verabschieden, in der auf eine Lösung dieses Problems gedrängt werden soll. Leider schienen einzelne Vertreter_innen des FBR wenig Verständnis für die Entrüstung der Studierenden zu haben, obwohl denen zu Beginn ihrer Rettungsversuche des Kurses vom FBR noch dazu angeraten worden war, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen. Genau das war geschehen – der Kurs wurde trotzdem gestrichen.

Daraufhin stand die abermalige Verabschiedung nochmals überarbeiteter Änderungsordnungen für die Bachelorstudiengänge des Fachbereichs auf der Tagesordnung. Da das Rechtsamt der FU, bei dem wir wegen der geplanten Orientierungsphase bereits frühzeitig interveniert hatten, diese nun für unzulässig befand, strich man kurzerhand auch die vormals in Kombination mit der Orientierungsphase verabschiedete und von vielen Studierenden begrüßte wie erwartete Erhöhung des Bonuspunktekontos von 60 auf 90 BP aus der Änderungsordnung. Dieser Schritt erfolgte mit der simplen Begründung, mangels einer aus Sicht der Studierenden negativen Änderung müsse man nun auch keine „Gegenleistung“ mehr erbringen. Wir sind angesichts dieser Entwicklung verärgert und entsetzt, sind jedoch unschlüssig, ob mehr über die dahinter stehende Logik oder über den Schritt selbst.

In diesem Zusammenhang wirkt die ebenfalls auf der Sitzung beschlossene Besetzung einer Kommission zur Überarbeitung unserer Bachelorstudiengänge fast schon zynisch. Angesichts der Streichung der Bonuspunkteerhöhung fragen wir uns, welche Erfolgsaussichten eine solche aus studentischer Sicht eigentlich haben kann. Eine Verabschiedung der Regelung ungeachtet der Einführung einer Orientierungsphase wäre ein Schritt in Richtung der von Studierenden im Zuge des bundesweiten Bildungsstreiks gestellten Forderungen gewesen, ein Zeichen des guten Willens und ein Ausblick auf eine Kommissionsarbeit aller beteiligten Statusgruppen auf Augenhöhe. Stattdessen fühlen sich die Studierenden abermals verschaukelt. Die professorale Mehrheit im FBR hat wieder einmal klar gemacht, dass ohne ihre Zustimmung nichts geht und dass sie alle Fäden in der Hand hält. Alle signalisierte Gesprächsbereitschaft gegenüber den Studierenden scheint nur Selbstzweck zu sein, so lange man deren Vertreter immer wieder vertröstet und ungeachtet deren Protests studierendenfeindliche Regelungen beschließt bzw. diversen studierendenfreundlichen Regelungsvorschlägen immer wieder ablehnend begegnet. Unis wie die LMU in München haben in Folge des Bildungsstreiks gezeigt, dass mit dem nötigen Willen auch grundlegende Reformen schnell und effektiv umgesetzt werden können. Wir haben weder Lust noch Zeit uns weiterhin vertrösten zu lassen und werden nun noch entschiedener versuchen, in der neu gegründeten Kommission sowie im FBR endlich seit langem gestellten studentischen Forderungen Gehör zu verschaffen und diese auch tatsächlich in die zukünftigen Ordnungen einzubringen.

Auch bei den im Anschluss vorgestellten Ergebnissen und den damit verbundenen For­de­run­gen der Mas­ter-Vollversammlung für die Stu­di­en­gän­ge „Eco­no­mics“ und „Pu­blic Eco­no­mics“ wurde zum Leidwesen der deutlich um eine inhaltliche Auseinandersetzung bemühten anwesenden Master-Studierenden darauf verwiesen, dass der Ort für die Übergabe der Forderungen samt Unterschriftenliste unbedacht sei, statt auf inhaltliche Punkte einzugehen und die konstruktive Kritik zu begrüßen. Jedoch ist hier auch zu berücksichtigen, dass gerade der „Master of Public Economics“ immer wieder sehr engagiert von Seiten des verantwortlichen Lehrstuhls Schöb verbessert wird. Hier wurde vor kurzem gar von sich aus eine Erhöhung des zu knapp bemessenen Bonuspunktekontos veranlasst. Dennoch gingen vielen anwesenden Master-Studierenden die bisherigen Änderungen nicht weit genug. Es bleibt zu hoffen, dass die Intervention der engagierten Master-Studierenden vom Fachbereich nicht weiter als Affront aufgefasst wird, sondern als wertvolle Kritik, welche – sollte sie Berücksichtigung finden – zu einer weiteren Verbesserung der entsprechenden Master-Studiengänge führen kann.

Aufgrund der vielen grundsätzlich konträren Auffassungen von Professoren und Studierenden im FBR, aufgrund der von übergeordneten Instanzen nach unten weitergereichten teils abstrusen Vorgaben und Anreizsysteme sowie aufgrund unserer damit verbundenen Chancenlosigkeit in diesem Gremium etwas zu erreichen, brachten wir zum Ende der Sitzung lediglich noch eine kleine, resignative Protestnote gegen die Schließung unserer derzeitigen Räumlichkeiten und die damit einhergehende Verlagerung in die Boltzmannstraße 20 an und übergaben dem Dekanat Forderungen bezüglich unseres Umzugs. Dazu kam es, da unser Fachbereich ein Drittmittelprojekt unterbringen muss, um seine finanzielle Situation im Rahmen der FU-internen Leistungsverrechnung zu stabilisieren – dies obwohl nach Aussage Prof. Dr. Alts (Präsident der FU) mittlerweile FU-weit viel zu viele Drittmittelprojekte eingeworben werden. Dies mutet zynisch an, da unser bisheriges Büro nun dennoch weichen muss und auch andere, über Jahrzehnte gewachsene studentische Freiräume an der FU wegen der Drittmittelfixierung der Fachbereiche und Institute schließungsgefährdet sind. Dass das Über­ge­hen von Re­so­lu­tio­nen des Stu­die­ren­den­par­la­ments an der Freien Universität fast schon Tradition hat, konnte man an diesem Beispiel ebenfalls vorzüglich feststellen – das Studierendenparlament hatte sich zuvor einstimmig für einen Erhalt der Räumlichkeiten ausgesprochen. Auch ein angenehmes, in verständnisvoller Atmosspäre geführtes Gespräch in der Sprechstunde des neu gewählten Präsidenten der FU Prof. Dr. Alt blieb letztlich wirkungslos.

Wenn man zurückblickt und zusammenfasst, was wir mit unserer äußerst engagierten Arbeit in den von der professoralen Mehrheit dominierten Gremien des Fachbereichs bislang erreichen konnten, dann stellt sich auch der/die Engagierteste die Frage, ob die ganze Arbeit eigentlich Sinn macht oder einfach nur verschwendete Zeit ist. Wir sind enttäuscht über die realen Möglichkeiten demokratischer Mitbestimmung an der Universität und betrachten unsere Gremienarbeit derzeit nur insofern als sinnvoll, dass wir durch sie ein Lehrstück an Demokratie und jede Menge Lebenserfahrung erhalten. Währenddessen sind wir damit beschäftigt, unsere ehemaligen Räumlichkeiten von all dem studentischen Leben zu befreien, was sich dort in den letzten Jahrzehnten breit machen konnte. Wenn die Wände also wieder strahlend weiß, vom Klebeband und den bunten Plakaten gesäubert sind und ein uns finanziell überlegenes Drittmittelprojekt in die neue, gleichartige und sterile Atmossphäre einzieht, dann ist es so weit – der letzte studentische Freiraum in der Garystraße 21 ist verschwunden.





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