Berichterstattung zum Treffen von Hochschulvertretern und Bildungsministerin Schavan eine Farce

Im Anschluss an den „runden Tisch“, zu dem Bildungsministerin Annette Schavan als Reaktion auf den bundesweiten Bildungsstreik geladen hatte, gab es mal wieder viel Presse zum Thema.

Im Spiegel-Artikel steht unter Anderem: „Ungläubig, ja fast verwirrt, verließ so mancher Studentenvertreter nach dem vierstündigen Gespräch und der gemeinsamen Pressekonferenz zum Abschluss die Runde. Noch zum Höhepunkt der Protestaktionen an den Hochschulen hatte die Bundesbildungsministerin den Großteil der Forderungen vom mehr als 100.000 demonstrierenden Studenten als „gestrig“ bezeichnet. Und nun: Masterstudium für alle, die es wollen? Keine Quote oder künstliche Beschränkung für die Fortsetzung des Studiums nach dem Bachelor-Abschluss? Reduzierung von Stofffülle und Prüfungsdichte? Und obendrein noch die Ankündigung, dass die bisherige Studienzeit- Vorgabe für den Bachelor nicht sklavisch sechs Semester betragen muss, sondern dass es je nach Fach auch mal sieben oder gar acht sein können.“

Leider waren Frau Schavans Bemühungen nach Informationen der anwesenden Studierenden scheinbar eher darauf ausgerichtet, sich in Anbetracht der baldigen Wahlen möglichst gut zu verkaufen. Die Berichterstattung folgt im Großen und Ganzen der Leitlinie, Frau Schavan und mit ihr die herrschende Bildungspolitik seien handlungsfähig und am insgesamt guten Bildungssystem müssten lediglich ein paar wenige Änderungen vorgenommen werden. Genau dies ist jedoch ausdrücklich nicht der Fall! Zu allem Überfluss werden die geplanten Änderungen hier auch noch als als bildungspolitischer Quantensprung dargestellt. Dies ist im Grunde eine Farce, wenn man bedenkt, dass vor nicht allzu langer Zeit das Studium noch tendenziell selbstbestimmt gestaltet werden konnte, was Zeit und Stoff angeht. Repressive Regelungen, mit denen Studierende heutzutage überzogen werden, waren damals vielerorts noch unvorstellbar. Nun soll es dank Frau Schavan wieder möglich sein, ein „oder gar“ zwei Semester länger den festgelegten Stoff, der ein bisschen reduziert werden soll, zu studieren – man tritt auf der Stelle in der deutschen Bildungspolitik. Die tatsächlichen Resultate des Treffens bleiben demnach in der Realität weit hinter den Vorstellungen der Studierenden und engagierten Lehrenden etc. zurück, die im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks auf die Straße gegangen waren, und sind keinesfalls ausreichend oder gar revolutionär, wie größtenteils in der Presse dargestellt.

Es bleibt also wichtig weiterhin Druck zu machen, um die zuständigen Politiker in die Verantwortung zu zwingen. Es muss dringend versucht werden, das Hochstilisieren erreichter Minimal-Verbesserungen durch Politiker mit allen Mitteln zu verhindern, damit diese sich nicht aus eben dieser Verantwortung stehlen können.

Update (13.07.09):
http://www.heise.de/tp/blogs/8/141737


1 Antwort auf “Berichterstattung zum Treffen von Hochschulvertretern und Bildungsministerin Schavan eine Farce”


  1. 1 Bildungsstreik geht weiter!! « fsi-wiwiss Pingback am 02. November 2009 um 16:48 Uhr

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