Im Zuge der Finanzkrise geistern von Zeit zu Zeit aus ökonomischer Sicht fast schon revolutionäre Vorschläge und Denkanstöße durch die Presse. Selten hat sich eine Gesellschaft so für Ökonomie interessiert, wie es derzeit der Fall ist. Schade zwar, dass man von alternativen und kritischen Konzepten mit aktuellem Bezug nur aus der Presse hört, und so gar nicht an unserer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, aber lassen wir das zunächst bei Seite und konzentrieren uns auf den inhaltlichen Kern dieser sehr interessanten neuen Ansätze. Wo der durchschnittliche Wirtschaftsstudent sich noch das volkswirtschaftliche Standardlehrbuch von Gregory Mankiw aus dem Jahre 2004 zu Gemüte führt, stößt der versierte und unabhängig Lernende auf einen brandaktuellen Artikel im Handelsblatt, in welchem eben dieser berühmte Ökonom laut über eine Politik der negativen Zinsen, ihre Auswirkungen und Implikationen sinniert. Ein äußerst interessanter Artikel, welcher sowohl die enormen Auswirkungen einer scheinbar lapidaren (wenn auch in der etablierten Wirtschaftswissenschaft bisher undenkbaren) Maßnahme beschreibt, als auch die Verfahrenheit der modernen Wirtschaftswissenschaft durchblicken lässt. Der vielen (Wirtschafts-)Studierenden vorgesetzte wissenschaftliche Mainstream scheint also nicht immer auf dem neuesten Stand zu sein und verhindert so einen äußerst fruchtbringenden Diskurs über alternative Konzepte. Wo ein Verdrängen marxistischer Theorien aus den Unis in Anbetracht einer bestimmten Gesellschaftsentwicklung noch erklärbar ist, bleibt es unverständlich, dass an der Uni gerade vor dem Hintergrund nicht zu übertreffender Aktualität kein Wort über die neuen Denkanstöße eines Ökonomen verloren wird, welcher zum literarischen Standardrepertoire eines heute ausgebildeten Volkswirtes zählt. Wie eine Welle schwappt der kritische Diskurs über unser derzeitiges Wirtschaftssystem durch das world wide web, die Zeitungen und Wirtschaftsmagazine. So wird beispielsweise in der Wochenzeitung Die Zeit die Frage aufgeworfen, warum wir eigentlich stetiges Wachstum brauchen und ob nicht ein Umdenken von Nöten ist, welches die Prämisse vom ungebremsten Wachstum endlich als eine Art Goldrausch betrachtet, der die Welt an den moralischen und ökologischen Abgrund führt. So heißt es in einer Passage „Es ist in diesen Tagen der Weltrezession viel die Rede davon, die Hoffnung auf immer weiter steigenden Wohlstand sei gestorben. Sobald die Wirtschaft wieder anspringt, wird diese Hoffnung zurückkehren. Wenn sich jedoch irgendwann die Polkappen in Wasser verwandelt haben, wird niemand mehr glauben, der freie Markt könne uns reich machen und unseren Kindern außerdem noch eine intakte Welt hinterlassen. Vielleicht werden die Bibliothekare dann neue ökonomische Lehrbücher in die Regale stellen. Bücher, deren Autoren sich Gedanken darüber machen, wie sich eine freie Wirtschaftsform gestalten ließe, die ohne Wachstum auskommt.“ Wer ein bisschen recherchiert findet noch viel mehr zum Thema und wird schnell erkennen, dass die Alternativen, welche die Politik immer vermissen lässt, aktuell offen diskutiert werden. Wenn diese nun noch an den Unis ankommen, zum tatsächlichen, breit diskutierten Forschungsgegenstand aufsteigen und nicht wie zu befürchten durch bildungspolitische Kathastrophen totgespart werden, ergibt sich möglicherweise endlich eine Chance, wieder etwas näher an das Humboldtsche Bildungsideal heranzurücken und aus der Uni heraus Impulse für eine sozialere Gesellschaftsentwicklung zu geben.
Update (11.06.09):
Hier!! Aktuelle Bezüge gibt es nur für’s externe Publikum.


ein paar anmerkungen:
deine wortwahl, wie z.B. in
„Wo der durchschnittliche Wirtschaftsstudent sich noch das volkswirtschaftliche Standardlehrbuch von Gregory Mankiw aus dem Jahre 2004 zu Gemüte führt, stößt der versierte und unabhängig Lernende auf einen brandaktuellen Artikel im Handelsblatt“
und
„Der vielen (Wirtschafts-)Studierenden vorgesetzte wissenschaftliche Mainstream scheint also nicht immer auf dem neuesten Stand zu sein“
lassen klar erkennen, das der schreiber sich für etwas besseres als die übrige studentenschaft hält(mit sicherheit zu unrecht oder handelt es sich gar um ein einser-genie der seinen doktor in rekordzeit macht…sicherlich nicht!).
bevor es dann endlich zur eigentlichen(und für wirtschaftsstudenten auch interessanten) sache kommt, wird mal eben noch kurz die marxistischen theorien betrauert, die unsere gesellschaft „verdrängt“ hat. unnötig, vollkomen unnötig und auch unangebracht.
letzter punkt: „Humboldtsche Bildungsideal“
wir sind an der FU, der eliteuni im raum berlin und umgebung. das es nicht die HU geworden ist, hat seine gründe(z.b. durfte solange stalin an der macht war an der HU nichts über chromosome gelehrt werden, weil das nicht der wissenschaftliche stand der damaligen KOMUNISTISCHEN sowjetunion war!) und von daher sollte man sich andere ideale suchen. ebenfalls unangebracht.
bitte nächstes mal mehr fakten als persönliche überzeugungen in die artikel einfließen lassen, sonst scheitern sinnvolle beitrage bei den lesern wie die gesellschaft am kommunismus (und nicht anders rum!)
Zunächst einmal ein paar Worte zum Vorwurf, „das der schreiber sich für etwas besseres als die übrige studentenschaft hält(mit sicherheit zu unrecht oder handelt es sich gar um ein einser-genie der seinen doktor in rekordzeit macht…sicherlich nicht!)“. Die Ausdrucksweise an dieser Stelle ist vollkommen wertungsneutral und soll lediglich zum Ausdruck bringen, dass es meiner Meinung nach anzuraten ist, sich neben dem Uni-Stoff auch anderer Quellen zur Reschersche zu bedienen. Hier gilt eben gerade nicht, dass jemand, der seinen Doktor in Rekordzeit macht, anderen deswegen in irgendeiner Form überlegen sein muss. Der „durchschnittliche Wirtschaftsstudent“ soll hier also nicht abwertend verstanden werden, sondern eher Ausdruck eines wissenschaftlichen Mainstreams sein, den viele Studenten (behaupte ich hier mal) einfach nachbeten bzw. nachbeten müssen, da er eben Kern ihres Studiums ist.
Dass das „Verdrängen marxistischer Theorie“ in dem Artikel am Rande bedauert wird, ist korrekt. Hierzu ist allerdings noch zu sagen, dass ich mir eben nicht wünsche, dass diese den exklusiven Platz des aktuellen wissenschaftlichen Mainstreams einnehmen sollte, sondern, dass es einfach mehr Wahlmöglichkeiten geben sollte, sodass jeder für sich entscheiden kann, mit welchen Theorien er sich befassen will und ihm diese Möglichkeit nicht von vornherein genommen wird. Der „wissenschaftliche Mainstream“ existiert im übrigen de facto, zumal lediglich die neoliberale Theorie bis heute überlebt hat und in der Regel weder Keynes, noch Marx, noch irgendwelche anderen kontroversen Ansätze an der Uni diskutiert werden.
Beim nächsten von Dir angesprochenen Punkt verschlägt es mir glatt die Sprache. Du sagst „unnötig, vollkomen unnötig und auch unangebracht. letzter punkt: „Humboldtsche Bildungsideal“ – wir sind an der FU, der eliteuni im raum berlin und umgebung. das es nicht die HU geworden ist, hat seine gründe“ – damit scheinst Du also zu denken, dass die FU etwas super-elitäres wäre, kurz nachdem Du mir vorgeworfen hast, ich hielte mich in Anbetracht meines Artikels für etwas besseres. Fakt ist, dass die FU lediglich deshalb Elite-Uni geworden ist, weil sie wie nicht viele andere Unis in Deutschland ein enorm neoliberales und profitorientiertes Verständnis von sich selbst hat. Hier an der FU lautet die Prämisse: In Forschung wird investiert (denn hierfür gibt es Geld), die Lehre wird abgeschafft (denn sie ist nur eine unangenehme Verpflichtung der Uni). Wenn dir das so gefällt, nun gut. Von der sogenannten „Elite“ allerdings wird bei uns als normale Studenten allerdings nichts ankommen und mit dem humboldtschen Bildungsideal, welches im Übrigen nicht unnötig, sondern zentral ist, hat das alles leider auch gar nichts mehr zu tun.
Zu Deinem letzten Punkt („z.b. durfte solange stalin an der macht war an der HU nichts über chromosome gelehrt werden, weil das nicht der wissenschaftliche stand der damaligen KOMUNISTISCHEN sowjetunion war!“) möchte ich unbedingt eines klarstellen: Stalin und die damalige „kommunistische“ Sowjetunion haben in meinen Augen überhaupt nichts mit Kommunismus zu tun, so wie er theoretisch formuliert ist. Es gab in der bisherigen Weltgeschichte schlicht und ergreifend nie richtigen Kommunismus. Hier begehst Du außerdem einen großen Fehler, wenn Du von Marx direkt auf Stalin etc. schließt. Marx hat den KAPITALISMUS analysiert und Stalin hat die Theorien von Marx lediglich für seine Ziele instrumentalisiert. Auch heute noch werden die Theorien von Karl Marx mit dem Kommunismus der SU, Nordkoreas etc. gleichgesetzt sowie von vielen linken Gruppen sehr ideologisch interpretiert. Es gibt allerdings auch Menschen wie z.B. Michael Heinrich, welche Marx modern, ohne übertriebene linke Ideologie und ganz nüchtern erklären. Dass Wirtschaftswissenschaftler so etwas wissen bzw. es ihnen gelehrt wird, genau dafür setze ich mich ein.
Liebe FSI,
ich finde den Beitrag von Mankiw tatsächlich interessant. Allerdings… ein negativer Geldzins heißt, dem Kreditnehmer nicht nur Geld zu schenken, sondern ihn dafür auch noch zu bezahlen. Die Logik sich verdeutlichend, kann dieses Konzept nicht aufgehen.
Es ist doch überhaupt das Problem, dass die Zinsen lange Zeit so niedrig waren, dass nachher die Wirtschaft so expandierte, bis die Zinsen eben stiegen und die Dinge zu teuer wurden… und jetzt sollen überniedrige Zinsen das lösen?
Marx ist immer eine Betrachtung wert, auch in einer Gesellschaft, die sich gegen ihn entschieden hat; gerade dort. Ob’s einen Extra-Kurs braucht, ist schon wieder Ansichtssache, aber ein genereller Kurs über wirtschaftswissenschaftliche Modelle sollte ihn aufgreifen.
Derweil aber der Kern meiner Anmerkung: Das Wachstum nun abzulehnen, können wir aus der Wohlstandsposition heraus sehr gut tun. Es klingt bei der ZEIT ein wenig nach: „Jetzt gibt’s kein Wachstum mehr, na gut, uns geht’s gut, dann geben wir uns halt zufrieden.“ Billige Moral, wenn ich dann an die Leute denke, denen es nicht gut.
Würde der ZEIT-Autor auf seinen Wohlstand verzichten, damit es anderen besser ginge? Ich könnte darauf nur ehrlich verzichten. Lieber leiste ich meinen Beitrag, Wachstum zu schaffen, dass es diesen Menschen möglich macht, sich herauszuarbeiten. Nicht das OB des Wachstums steht infrage, sondern das WIE.
Welch gelungene Polemik Dan! Aber diese dann auch noch mit einer desaströsen Argumentation zu paaren, darauf kommt nur ein großer Geist, der sich im sorgsamen Schoße unumstrittener Eliten bilden kann. Doch halt, man darf auf keinen Fall die fälschlichen und aus dem Zusammenhang gerissenen Beschuldigungen vergessen, die dir wohl den Titel „Schwätzer“ des Jahres bescheren werden. Glückwunsch dazu und uns allen wünsche ich weniger Beiträge dieser Art!
@ Dan The Man:
Es ist schon traurig mitzuerleben, wie dümmlich dämlich du bist!
Du wirst es aber mit dieser Einstellung in die Top-Manager-Riege
schaffen; du kannst bestimmt mal bei Daimler, dem größten Rüstungskonzern Deutschlands arbeiten und Dieter Zetsche ablösen – würde passen!!! Du Fschist :-[]